Op Füer, op Floot, wi helpt in Not

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von Dorte Arendt
erstellt am 06.Sep.2017 | 13:01 Uhr

Sprakebüll | Alles ist relativ: „75 Jahre – das ist viel. Oder auch nix.“ Mit diesen Worten eröffnete Claus Fries, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Sprakebüll, seine Festrede zum 75-jährigen Bestehen der örtlichen Brandschutztruppe. Die Fülle von Erinnerungen und Anekdoten, die im Laufe des Abends zutage kamen, zeigten jedoch, dass in 75 Jahren ziemlich viel Erwähnenswertes passieren kann.

Als lebendiges Gedächtnis der Sprakebüller Feuerwehr präsentierte sich einmal mehr Nis Peter Petersen. Der heute 87-Jährige stand nicht nur von 1982 bis 1995 der 10. Feuerwehrbereitschaft vor, sondern war auch von 1984 bis 1995 Wehrführer der Sprakebüller. „Und wenn es die Altersgrenze nicht geben würde, wäre Nis Peter noch heute unser Wehrführer“, sagte Claus Fries augenzwinkernd.

Petersen gehört der Sprakebüller Wehr, die am 1. September 1942 in den Wirren des zweiten Weltkrieges gegründet wurde, fast seit Anbeginn an: Er trat schon als Zwölfjähriger ein, jedoch nicht freiwillig. Durch die kriegsbedingte Abwesenheit der Männer war der Brandschutz nicht mehr gewährleistet. Deshalb wies ein Erlass des Landrats von Südtondern die Bürgermeister an, Jungen und Mädchen ab zwölf Jahren in die Feuerwehr aufzunehmen.

 

Es sei nicht immer ein Vergnügen gewesen, in diesem jungen Alter im Einsatz zu sein, erinnerte sich Nis-Peter Petersen. Aber insgesamt habe er immer großen Spaß an der Feuerwehr gehabt. Das können Interessierte jetzt auch nachlesen: „Op Füer, op Floot, wi helpt in Not – Erinnerungen vun de ehemolige Wehrföhrer Nis Peter Petersen“ heißt das Büchlein, das zum 75. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Sprakebüll erschienen ist und 25 wahre Geschichten op Platt enthält. Erzählt hat sie Nis Peter Petersen, aufgeschrieben Peter Lühmann, die plattdeutsche Bearbeitung hat Malene Gottburgesen übernommen, finanziell unterstützt haben die Gemeinde und Bürgerstiftung Sprakebüll. „In den meisten Geschichten ist Schnaps dabei“, gab Bürgermeister Karl-Richard Nissen zu. Auch er selbst spielt in einer Erzählung als ganz junger Feuerwehrmann eine Hauptrolle, dazu ein Unimog, ein unbezähmbarer Rückwärtsgang, eine wilde Fahrt und, man ahnt es, viel Schnaps.

Doch auf dem Jubiläumsfest ging es nicht nur um heitere Begebenheiten, sondern auch um die ernsten, herausfordernden und nicht selten lebensrettenden Aufgaben, die Feuerwehrleute ehrenamtlich meistern – Hilfe leisten, Brände löschen und viel mehr. Bürgermeister Nissen lobte „die selbstlose Arbeit zum Wohle aller, die stete Einsatz- und Hilfsbereitschaft der jungen, gut ausgebildeten Gruppe. Um die Zukunft unserer Wehr ist mir gar nicht bange.“ Auch für das kulturelle Leben im Ort machten sich die Brandschützer verdient, nicht zuletzt durch ihre Laienspielgruppe. Dem auf dem Fest geäußerten Wunsch seines Wehrführers nach einem neuen Feuerwehrauto stellte er gute Chancen auf baldige Erfüllung in Aussicht – schließlich sei nicht nur er selbst, sondern auch die Mehrheit der Gemeindevertretung Teil der örtlichen Feuerwehr.

Schneekatastrophe, Sturmflut in Dagebüll, Großbrände: Sprakebülls aktueller Feuerwehrchef Claus Fries gab einen Rückblick auf unvergessene Ereignisse und ehemalige Wehrführer. Neben ihm erinnerten gleich mehrere Redner an Bruno Thomsen, der acht Jahre an der Spitze der Sprakebüller Brandschützer stand und von 1984 bis 2002 Nordfrieslands Kreiswehrführer war. Zum Abschied Thomsens wurde 2002 ihm zu Ehren der Kreisfeuerwehrtag mit rund 3000 Teilnehmern in Sprakebüll veranstaltet – ein Erlebnis, das auch am Jubiläumsabend noch ein Glitzern in die Augen jener brachte, die darüber sprachen.

Mehrfach ausdrücklich gelobt wurde die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren. „Ohne Zusammenhalt würde es hier nicht funktionieren. Aber wenn jede Wehr fünf Leute schicken kann und mit dem Rückhalt durch die starke Wehr in Leck sind wir in der Region sehr gut aufgestellt“, sagte Wehrführer Fries. Südtonderns Amtswehrführer Oliver Jabobsen ergänzte: „Es gibt nicht ,dein Feuer‘ oder ,mein Feuer‘, sondern ,unser Feuer‘ – denjenigen, die Hilfe brauchen, ist egal, wer kommt, Hauptsache, es geht schnell. Wichtig ist, dass es funktioniert.“ Auch der stellvertretende Kreiswehrführer Wolfgang Clasen betonte, wie wichtig die überörtliche Zusammenarbeit sei, um eine ausreichende Tagesverfügbarkeit zu sichern. „Wer glaubt, dass in der Feuerwehr Stillstand herrscht, der irrt“, so Clasen, der anregte, man müsse darüber reden, wie sinnvoll herrschende Altersgrenzen seien. „Wir haben die Kameraden dann verloren – und ihnen fehlt eine Aufgabe.“

Die Sprakebüller Feuerwehr verfügt derzeit über 27 Aktive und drei Anwärter, die bald aus der Jugendfeuerwehr übernommen werden können. Dazu kommen zehn Ehrenmitglieder; dazu gehört Albert Elfert, der am 1. April 1942 in die Feuerwehr in Stadum eintrat, später nach Sprakebüll wechselte – und damit genau so viele Jahre dem Brandschutz verbunden ist, wie es die Jubiläums-Feuerwehr gibt.

– Quelle: https://www.shz.de/17764931 ©2017